Die "Schlacht um Grohnde" am 19. März 1977

 

40 Jahre „Schlacht um Grohnde“

Erinnerungen – Erfahrungen – Diskussion

 

PDF-Datei zum Download unten.

 

Dauer der Ausstellung: 17. März – 7. April im Hamelner Münster

Problem: In dieser Zeit gibt es im Münster keine feste Aufsicht. Wir werden deswegen keine Filme über Beamer zeigen können.

Konzept der Ausstellung

Die Ausstellungsmacher verstehen sich als Redakteure. Sie bringen das eingereichte Material (Bilder und Texte) in eine ausstellungsgerechte Form, d.h. kürzen wo nötig, wählen aus. Sie können nicht selber die Texte schreiben.
Themen bzw. Gegenstände, zu denen kein Material eingereicht wird, werden deswegen in der Ausstellung leider fehlen.

 

Um eine Anschauung vom Design bzw. der Technik der Ausstellung zu geben: Die einzelnen Platten haben ein Format von 190 (breit) und 100 (hoch). Auf den Platten können drei Tafeln (aus Karton) gezeigt werden (80 hoch, 60 breit). Darauf werden Fotos und Texte geklebt.

Etwa 12 Platten (= 36 Tafeln) stehen insgesamt zur Verfügung; es gibt also relativ wenig Platz.

Der Schwerpunkt liegt bei der Darstellung der Vorgänge am 19. März. Die Darstellung etwa der verschiedenen BIs und des Zeitraums von 1977 bis heute muss dagegen recht knapp erfolgen.

Das eingereichte Material ist sorgfältig zu beschriften (auch mit dem Namen des Gebers) und möglichst genau zeitlich einzuordnen. Es sollte vermerkt werden, ob eine Rückgabe des Materials erwünscht ist.

Bei Fotos ist zu vermerken, wer das Foto wann und wo gemacht hat.

Fotos, Plakate und Texte sollten möglichst gescannt eingereicht werden (mit Benennung!). Sie werden dann von uns in der gewünschten Größe ausgedruckt.

In der Ausstellung werden nur Kopien gezeigt. Wahrscheinlich stehen auch einzelne Vitrinen zur Verfügung, die eine Ausstellung von Originalen ermöglichen.

Zwei wichtige Bitten:

Um die Darstellung verschiedenen Ereignisse und Schauplätze farbiger zu gestalten, sind knappe, persönlich formulierte Eindrücke gewünscht.

Ein ganz wichtiger Punkt sind für uns die „Lebensbilder“, um deren Formulierung wir Euch/Sie bitten. Inwiefern hat die Erfahrung Grohnde das persönliche Leben bestimmt?
Diese sollten eine Din A4-Seite nicht überschreiten (möglichst mit persönlichem Bild damals-heute) und der Zusicherung, dass das „Lebensbild“ mit Namen veröffentlicht werden darf. Die „Lebensbilder“ werden an geeigneter Stelle in die Ausstellung eingebaut.

 
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1 Der Vorlauf

 
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2. Der 19. März 1977
 

 
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Ostern. Die Initiativen gegen Atomenergie knüpfen an die Tradition der Ostermärsche an und rufen zu Demonstrationen und Kundgebungen an AKW-Bauplätzen oder bereits laufenden Atomanlagen auf. In Grohnde demonstrieren rund Tausend AKW-Gegnerlnnen.

Hier sind Fotos und knappe, ganz persönlich formulierte Eindrücke gewünscht

 
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Hier sind Fotos und knappe, persönlich formulierte Eindrücke gewünscht

Pfingsten. Anti-Atom-Pfingstlager in Grohnde mit bis zu 500 Teilnehmern.
Juli/August. Platzbesetzung in Grohnde. Auf dem geplanten Kühlturmgelände entsteht ein Anti-Atom-Dorf mit über zwanzig Hütten, Sonnenkollektoren, einem Windrad, einem Backofen sowie einem Stall für das Dorfschwein ››Genscher«. Das Dorf wird zum Schauplatz und Ausgangspunkt für zahlreiche Aktionen gegen die AKW-Baustelle, für Informationsveranstaltungen, Diskussionen und alternative Lebensformen.
23. August. Die Landesregierung lässt die rund 200 Besetzer von 1.500 Polizisten räumen. Das Dorf wird von ihnen zerstört.
Oktober. Vierzig Menschen reichen beim Verwaltungsgericht Hannover Klage gegen die Räumung des Anti-Atom-Dorfes Grohnde ein. Das Gericht soll feststellen, dass die Räumungsverfügung gegen die Besetzer des Kühlturmgeländes sowie der Sofortvollzug derselben rechtswidrig waren - tut es aber erwartungsgemäß nicht; die Klage wird abgewiesen.

 
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Auch hier sind Fotos und knappe, ganz persönlich formulierte Eindrücke gewünscht

Die große Fülle von Einzelheiten zu den Prozessen muss für die Ausstellung sehr stark reduziert werden.
Es sollen drei unterschiedliche Angeklagte möglichst anschaulich dargestellt werden. Vielleicht:
Linda Engelbert
Norbert Iwan
Autonomer aus Hamburg

 

10. Oktober 1977. Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Hannover verschickt Anklageschriften an dreizehn AKW-Gegner, die bei der Grohnde-Demonstration am 19. März festgenommen worden waren. Den Beschuldigten wird unter anderem schwerer Landfriedensbruch, Widerstand gegen die Staatsgewalt und schwere Körperverletzung vorgeworfen. Drei Personen werden vor dem Amtsgericht Hameln angeklagt. 110 weitere Ermittlungsverfahren gegen festgenommene Demonstrantlnnen stellt die Staatsanwaltschaft ein.

19. November 1977. In Hameln demonstrieren etwa 1.200 AKW-Gegnerlnnen gegen die Grohnde-Prozesse.

22. November 1977. Der Prozess gegen Linda aus Bremen vor dem Hamelner Amtsgericht kann nicht stattfinden, weil 600 AKW-Gegner den Verhandlungssaal blockieren.

10. Januar 1978. Aus Solidarität mit den Grohnde-Angeklagten zeigt sich die 47-jährige Angestellte Johanna Jordan aus Hamburg bei der Staatsanwaltschaft selbst an. Die Anti-AKW-Bewegung dürfe nichts unversucht lassen, die Angeklagten vor einer stellvertretenden Verurteilung zu bewahren. Aus der Selbstanzeige: »Schließlich habe ich extra für Grohnde ein 50 m langes Perlonseil gekauft (10 t Tragkraft) und angeschleppt. […] Es war an der [...] nach Grohnde gerichteten Zaunseite im Einsatz und hat gleich in der 1. Minute den ganzen Maschendraht geholt, dann noch einen Pfeiler. [...] Danach habe ich noch mit meiner Eisensäge gesägt [...].«

25. Februar 1978. Demonstration gegen die „Grohnde-Prozesse“ in Hannover mit etwa 7.000 Teilnehmern.

April 1978. Die ersten Grohnde-Prozesse enden nach fast zwanzig Verhandlungstagen mit hohen Gefängnisstrafen. Das Landgericht Hannover verurteilt drei AKW-Gegner wegen schweren Landfriedensbruchs, Widerstand und Körperverletzung zu zweiundzwanzig, zwölf und elf Monaten Haft - jeweils ohne Bewährung.

10. Juni 1978. Erneut protestieren in Hannover 5.000 Menschen gegen die Grohnde-Verfahren. Die Demonstration gleicht einem Spießrutenlauf durch die Polizeispaliere. Immer wieder preschen Einsatzzüge von vierzig bis sechzig Beamten in den Zug. Nach der Abschlusskundgebung kommt es zu heftigen Auseinandersetzungen.

2. Oktober 1978. Achtzehn AKW-GegnerInnen, die am 19. März des Vorjahres in Grohnde demonstriert haben, sollen den Polizeieinsatz bezahlen. Die Betroffenen legen Widerspruch ein.

21. November 1978. Mit einem Freispruch und einer Verurteilung zu dreizehn Monaten Gefängnis gehen die Grohnde-Prozesse vor dem Landgericht Hannover zu Ende. Von den elf vor diesem Gericht angeklagten AKW-Gegnern sind acht zu Haftstrafen verurteilt worden.

Januar 1979. Die Bezirksregierung Hannover reicht beim Landgericht eine Schadensersatzklage gegen achtzehn Grohnde-Demonstranten ein. Sie sollen für angeblich der Polizei am 19.3.1977 entstandene Schäden 233.926 Mark und acht Pfennige zahlen. Im Einzelnen: Für Heilbehandlungskosten 12.888 Mark und 57 Pfennige, für Bezüge der verletzten Beamten während ihrer Dienstunfähigkeit 97.341 Mark und 89 Pfennige sowie für Beschädigung und Verlust von Polizeimaterial 123.695 Mark und 62 Pfennige.

 
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1979
Harrisburg, USA

2. April 1979. Als erster Grohnde-Verurteilter soll Helmut Oldefest (Eso) seine einjährige Haftstrafe antreten. 400 AKW-Gegnerlnnen wollen ihn zum Knast nach Hamburg-Fuhlsbüttel begleiten, überlegen es sich unterwegs aber anders und besetzen eine Kirche.
7. April 1979. Eso und der Grohnde-Angeklagte Karl Winter flüchten in die Niederlande, um politisches Asyl zu beantragen.
17. Mai 1979. Eso wird in den Niederlanden festgenommen, aber nach einem Haftprüfungstermin wieder auf freien Fuß gesetzt. Er muss sich allerdings einmal pro Woche bei der Polizei melden.
10. Juli 1979. Als erster der Grohnde-Verurteilten tritt Andreas aus Göttingen seine einjährige Haftstrafe in der JVA Lingen an.
25. Juli 1979. Jo Jordan, die sich aus Solidarität mit den Grohnde-Angeklagten selbst angezeigt hatte, wird zu achtzig Tagessätzen á vierzig Mark verurteilt.

 
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1980
14. März 1980. Die Räumung des Anti-Atom-Dorfes Grohnde im Juni 1977 war rechtswidrig, entscheidet das Verwaltungsgericht Hannover. Die Bewohner hätten keine Möglichkeit gehabt, Rechtsmittel gegen die Räumungsverfügung einzulegen.

Die zahlreichen Proteste gegen Grohnde, die es seit den 1980er Jahren und bis heute gegeben hat, sollen möglichst vollständig erfasst werden. Sie lagen in der Hand unterschiedlicher Träger und wir wissen insgesamt wenig über sie.
Hier ist die Bitte nach Material (Bilder und Texte) besonders dringend.
Auch hier gilt auch wieder eine Platzbegrenzung (pro Aktion eine Tafel).

 
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1983
s 14. März. Aus Protest gegen den Bau des AKW besetzt der Student Claus Berlage einen Strommast bei Grohnde. Fünf Tage hält er auf einer Plattform in vierzig Meter Höhe aus. Die Preussen Elektra schickt dem AKW-Gegner „mit vorzüglicher Hochachtung“ eine Schadensersatzforderung über 39.636,34 Mark, will sich aber „vorerst“ mit einer Abschlagzahlung von 24.000 Mark zufrieden geben. Später will auch noch die Bezirksregierung Hannover knapp Zehntausend Mark haben.

Okt. 1983: Rücknahme der Lohmann-Klage gegen 15.000.000 DM

 

1984
Gründung des VAU (Umgebungsüberwachung)
Sept. 1984      Probebetrieb (?) AKW-Grohnde (ab 1.2.85 kommerzieller Leistungsbetrieb)

 

1986
26. April. Tschernobyl.

 
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1990
19. Mai 1990. Aktionstag gegen geplante, aber immer wieder verschobene Castor-Transporte nach Gorleben. In Grohnde wird blockiert.

17. Juni 1990. Mit Kaffee, Kuchen und Musik blockieren AKW-GegnerInnen für einige Stunden eine Straße vor dem AKW Grohnde.

2009
Anti-Atom-Plenum Weserbergland

Anfang 2011: Regionalkonferenz „AKW Grohnde abschalten (in Vorbereitung auf 25 Jahre Tschernobyl). Aktionen:
Grohnde 25. April 20.000 Teilnehmer

Grohnde 2./3. Oktober 2011 Dauerblockade

Hannover 11. März 2012

9. März 2013 Aktions- und Menschenkette im Rahmen einer Katastrophensimulation zum 2. Fukushima-Jahrestag

zur Revision im Frühjahr 2014

u.s.w.

 

Aufstehen wie ein Mann - Der lange Kampf gegen die Atomenergie in der Bundesrepublik. Eine Chronik - von Manfred Kriener
DIE ZEIT Nr. 14/2011 31. März 2011

 

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